Alpenluft

Ausgabe · Die beiden Tandemflüge

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Zwei Flüge vomselben Berg —zwei Erlebnisse.

Beide starten am Nebelhorn über Oberstdorf, beide landen im Tal. Der Unterschied liegt in der Zeit, die wir uns nehmen — und darin, ob wir den direkten Weg nach unten fliegen oder die Luft arbeiten lassen. Hier steht alles nebeneinander, damit du dich nicht durch fünf Pakete klicken musst.

Zwei Gleitschirme in gleicher Höhe über einem langen Grat, dahinter gestaffelte Ketten im DunstStimmungsbild
01Kapitel 01 — Der Klassiker

Tandemflug Nebelhorn

Das Nebelhorn ist der Grund, warum in Oberstdorf überhaupt geflogen wird: einer der höchsten Gleitschirm-Startplätze Deutschlands, erreichbar mit der Bahn, mit freier Sicht über das ganze Tal. Wir fahren gemeinsam hinauf, gehen die paar Schritte zum Startplatz, und ich lege den Schirm aus, während du dich in Ruhe umschaust.

Dann geht alles schnell und ist trotzdem unspektakulär: Gurtzeug an, Helm auf, zwei, drei Schritte den Hang hinunter — und der Boden ist weg. Kein Ruck, kein Sturz, kein freier Fall. Du sitzt, als hätte dir jemand von hinten einen Sessel untergeschoben, und unter dir läuft das Illertal davon.

Der Klassiker ist der Flug, den ich Menschen empfehle, die noch nie in der Luft waren, die mit Kindern kommen oder die sich selbst nicht ganz trauen. Er ist kurz genug, dass niemand überfordert wird, und lang genug, dass man nie wieder aufhört, davon zu erzählen.

„Wer sagt ‚ich bin eigentlich nicht schwindelfrei‘ — genau für den ist dieser Flug."

Orangefarbener Gleitschirm liegt startbereit auf einer Bergwiese, dahinter gestaffelte Gipfel im Dunst
Ausgelegter Schirm an einem hochgelegenen Startplatz — Gurtzeug und Helm liegen bereit.Stimmungsbild
02Kapitel 02 — Der lange Flug

Tandemflug Fernblick

Fernblick ist mein Name für den Flug, bei dem wir nicht auf die Uhr schauen. Wenn die Sonne die Hänge aufgeheizt hat, steigt die Luft in Schläuchen nach oben — unsichtbar, aber deutlich zu spüren. Statt gerade ins Tal zu gleiten, suchen wir diese Schläuche und drehen darin Kreise. Jede Runde bringt uns höher, und mit jeder Runde wird der Blick weiter.

Das ist der Unterschied zwischen einem Rundflug und dem Fliegen selbst. Du spürst, wie der Schirm im Steigen leicht wird, wie er am Rand des Aufwinds wieder ruhig wird, wie wir den nächsten Hang anfliegen. Ich sage dir, was ich gerade sehe und warum wir jetzt weiterziehen — die meisten finden genau das am spannendsten.

Wie lange wir oben bleiben, entscheidet nicht der Preis, sondern der Tag. An guten Tagen stehen wir lange über dem Grat. An ruhigen Tagen wird daraus ein sehr schöner, etwas kürzerer Flug — und der Unterschied wird beim Preis berücksichtigt, nicht verschwiegen.

Blick unter der Schirmkante hindurch auf ein weites Alpental mit Fluss und fernen Gipfeln
Aus der Luft: Schirmkante und Leinen am oberen Rand, darunter das offene Tal.Stimmungsbild
Einzelner Gleitschirm winzig hoch über gestaffelten Bergrücken
Thermikfliegen heisst: oben bleiben, statt den kürzesten Weg nach unten zu nehmen.Stimmungsbild

Angaben zu Flugdauer und Startplatz sind Beispielwerte aus der Region — bitte durch die echten Zeiten und Höhen ersetzen.

Unsicher, welcherder richtige ist?

Faustregel: Wer zum ersten Mal fliegt, nimmt den Klassiker — er reicht vollkommen für das Gefühl, das alle suchen. Wer schon einmal geflogen ist, wer den ganzen Vormittag Zeit hat oder wer wissen will, wie Thermik sich anfühlt, nimmt den Fernblick. Und wer sich nicht entscheiden kann, ruft an: zwei Minuten am Telefon, und wir wissen es beide.

Und wenn es mehr sein darf: Der Streckenflug „Allgäuer Bergwelt" geht über beide hinaus — über die Kette hinweg, so weit die Thermik trägt. Er steht mit Dauer und Preis in der Preisliste und wird auf der Bergwelt-Seite erzählt.