Der Nebelhorn-Flug ist der Flug, den du dir vorstellst, wenn du an Gleitschirm denkst. Kein Sturzflug, kein freier Fall, kein Geschrei. Der Schirm steht schon über uns, bevor wir losgehen — der Übergang vom Gehen zum Fliegen ist so weich, dass die meisten Gäste ihn gar nicht bemerken. Du sitzt in einem gepolsterten Gurtzeug wie in einem Liegestuhl, die Beine vorne, die Hände frei.
Gesteuert wird von hinten. Du musst nichts können, nichts halten und nichts entscheiden. Wenn du willst, erkläre ich dir unterwegs, was ich gerade mache — wo die Luft steigt, warum wir hier eine Kurve fliegen und dort nicht. Wenn du lieber still sein willst, ist das genauso richtig. Die meisten reden in den ersten Minuten viel und dann gar nicht mehr.
Unter dir öffnet sich das Illertal. Du erkennst Oberstdorf, die Schanze, die Wege, die du im Urlaub gelaufen bist, und verstehst zum ersten Mal, wie sie zusammenhängen. Zwischen den Felsbändern liegen Almen, an denen kein Wanderweg vorbeiführt — von oben liegen sie einfach da, als hätte sie jemand hingelegt. Im Winter ist dieselbe Runde ein anderer Flug: weisse Grate, ein stilles Tal, kalte, glasklare Luft, die den Blick bis weit über die Kette trägt.
Gelandet wird auf einer Wiese im Tal. Auch das ist ruhig: Wir kommen im Schritttempo an, du stellst die Füsse auf, und das war es. Danach dauert es meistens eine Weile, bis wieder jemand etwas sagt.